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FÜNF ARTEN VON SCHWEIGEN
von Shelagh Stephenson
Deutschsprachige Erstaufführung
Regie: Inka Neubert, Ausstattung: Alireza Varzandeh, Musik: Marek Goldowski
Mit: Sabine Barth, Sandra Kouba, Evelyn Tzortzakis, Marco Aurel, Gregor Höppner

Zum Stück:
„Sie haben keine Ahnung wie das für uns war. Ihr Leben ist normal. Wir kommen aus einer anderen Welt.“ (Janet in Fünf Arten von Schweigen)

„Fünf Arten von Schweigen“ beschreibt eine Verschwörung des Schweigens und ängstlichen Rückzugs. Der gewalttätige Vater Billy missbraucht seine beiden Töchter Janet und Susan seit ihrer frühen Jugend, die verschüchterte Mutter Mary ist im Bilde und tut nichts dagegen.
Das Stück beginnt mit einem Akt der Befreiung: die jetzt über dreißigjährigen Töchter erschießen ihren schlafenden Vater. Im weiteren Verlauf geht es ganz leise und sachlich an die Erkundung der Ursachen und Wirkungen dieser Familientragödie. In Rückblenden und Monologen und in den Befragungen durch Polizei und Psychologen entsteht ein Bild davon, wie das abnormale Verhalten der Eltern entstand und welche verheerenden, über den Tod des Vaters hinausgehenden Auswirkungen es auf das Leben der Töchter hat.

Zur Autorin:
Die britische Autorin Shelagh Stephenson war Schauspielerin, bevor sie in London eine erfolgreiche Karriere als Dramatikerin startete. Sie wurde 1996 in London bekannt mit der Uraufführung von „Gedächtnis des Wassers“. Dieses Stück wurde als beste Komödie 2002 mit dem 'Laurence Olivier Award' ausgezeichnet und inzwischen auch verfilmt. Auch in Deutschland ist sie mit diesem Stück bekannt geworden. „Fünf Arten von Schweigen“ ist ihr jüngstes Stück, es wurde mit dem Writer’s Guild Award for best Drama ausgezeichnet und im Juni 2000 am Lyric Hammersmith in London uraufgeführt.

Pressestimmen:

„Fünf Arten von Schweigen“ zeigt wie sich drei Frauen von einem Mann befreien, durch Gewalt. Das ist ein Tabubruch, Drei Opfer, eine Mutter und ihre beiden Töchter werden zu Tätern. Die Fragen, die Stephenson von außen an die Figuren heranträgt, sind die Fragen der Gesellschaft: Warum habt ihr euch nicht früher gewehrt? Gab es keinen anderen Ausweg als Mord? Die Antworten bestätigen das Gewußte, der Täter ist selbst als Kind Opfer gewesen. Und: Es gibt kein Verstehen von außen, das Innenwelten wirklich erreicht. Doch welche Fähigkeiten Inka Neubert als Regisseurin besitzt, zeigt sich gerade an diesem Stück: Sie löst das Frauentrio auf in Individuen mit je eigener Sprachlosigkeit, je eigenem Schweigen. Und währen die Figur des Psychologen zuletzt selbst in Schweigen, in Ratlosigkeit versinkt, beginnen die Frauen zu sprechen. Ihre Kraft wird sichtbar, ihr Überlebenswille spürbar. Und der Tote, der im Lauf der Untersuchung immer wieder das Geschehen an sich zog ist nun wirklich tot: überwunden.
Oliver Cech, Kölner Stadt-Anzeiger

In immer neuen Mordtableaus versuchen die Frauen den Toten zu bannen und scheinen ihn dadurch erst aufzuwecken. Während Billy durch den gesamten Raum streift, bleiben Mary, Susan und Janet eingesperrt in ihren Raum der Erinnerung. Behutsam aufgefordert von einem Psychiater beginnen sie, nach und nach das Erlebte in Worte zu fassen. Inka Neuberts Inszenierung findet dafür durchaus eindringliche Bilder wie die überbordende, neuerwachte Lebenslust der Frauen nach dem Mord oder den elegischen Tanz zwischen Billy und Mary, wenn die Töchter von dessen rasenden Ordnungswahn erzählen. Am besten gerät Susans Geständnis, wie sie sich trotz Ekels nach den Berührungen des Vaters sehnte.
Hans-Christoph Zimmermann, Stadtrevue