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"Kieselasche" (Deutsche Erstaufführung)
von Daniel Danis

Laudatio zur Verleihung des Preises des NRW-Theaterfestivals THEATERZWANG 2004
Preisträger: INTEATA, Köln: KIESELASCHE
Die Inszenierung demonstriert, wie aus einem sehr schönen Text poetisch Funken geschlagen werden durch Konzentration auf fragile Beziehungen und auf die Magie, die durch Stimmen und Farben beschworen wird. Sie ist ein Beispiel für künstlerische Professionalität in der freien Theaterszene ohne falschen Rabatt durch vermeintliche schwierige Produktionsbedingungen.

Inszenierung: Inka Neubert
Ausstattung: Alireza Varzandeh
Mit: Martin Skoda, Evelyn Tzortzakis, Christoph Wehr, Maria-Debora Wolf

Zum Stück
"Mit Pascale, seiner elfjährigen Tochter hat sich Clermont aufs Land geflüchtet. Er versucht dort über den Verlust seiner Frau hinwegzukommen, die von einem Verrückten vergewaltigt und ermordet worden war. Auf einem verlassenen Anwesen am Steinfluss, rackert sich der ehemalige Städter damit ab, Haus und Garten wieder in Schuss zu bringen und den Keller von Steinen freizuräumen. Dabei vermeidet er jeden Kontakt zur Aussenwelt... Shirley aber, eine geduldige Amazonenkriegerin, hat sich geschworen, bei diesem Mann das Eis zu brechen und möchte Schicksal für ihn spielen - und wird es tun, wenn auch anders als gewollt." (Daniel Danis als Einleitung zu "Kieselasche")

Zum Autor
Daniel Danis, geboren 1962 im französischsprachigen Kanada, lebt in der Provinz Saguenay bei Quebec. Er geht mit 18 nach Haiti um dort als Missionar in einem Waisenhaus zu arbeiten, nach seiner Rückkehr nach Kanada arbeitet er als Sozialarbeiter und Streetworker mit Jugend-lichen in Quebec, und beginnt dort eine Ausbildung zum Schauspieler, fliegt aber nach einem Jahr von der Theaterschule. Nach verschiedenen erfolglosen Engagements als Schauspieler und Regisseur beginnt er zu schreiben. Durch den Erfolg von "Kieselasche" (1. Preis im Concours international de manuscrits du Festival de Maubeuge und Preis von Radio-France International) steigt er rasch zu einem der bedeutendsten gegenwärtigen Theaterautoren französischer Sprache auf. Mit "Das Lied vom Sag-Sager", 2000 an der Berliner Schaubühne aufgeführt, wird Daniel Danis auch im deutschsprachigen Theater bekannt.

Pressestimmen:

Wer im Publikum die Erschütterung zugelassen hat, wird diese deutsche Erstaufführung lange nicht vergessen. Eine Tragödie von archaischer Gewalt, erzählt mit größtmöglicher Abstraktion. Ihn interessiere „nicht die Psychologie der Figuren, sondern die Energie zwischen ihnen“ sagt Danis. Diesen Energiestrom, der wächst bis er alles mit sich reißt und vernichtet, vermag Regisseurin Inka Neubert sichtbar zu machen. Mit untrüglichem Gespür für Tempoverschiebungen lässt sie Danis‘ Text für sich sprechen. Die Gewalt, mit der am Ende das kunstvolle Liebesgebilde sich selbst zerfetzt, wirkt darum um so erschütternder. Grandios.
Oliver Cech im Kölner Stadt-Anzeiger

Die theatrale Gegenwelt , vor allem in Gestalt von Christoph Wehr als Vater und „Kiesel“ Clermont, und die punktgenaue Verwendung körperlicher Mittel durch die Regie schlagen uns in Bann. Nähe und Verzweiflung zwischen Tochter Pascale und Vater vermitteln sich vollständig in einer der sparsamen körperlichen Interaktionen, einer Umarmung. Selten wird die Lage einer Heranwachsenden so präzise vermittelt wie im leichten, leichten Hospitalismus-Schwanken der Tochter .
Suzanne Finken, Stadtrevue

Das Stück ist ein kleines Meisterwerk der perspektivischen Erzählung. Vier Figuren rollen die heikle Geschichte in einem Reigen ineinander verschachtelter Monologe aus Rückblenden, Situationsbeschreibungen und innerer Zwiesprache auf. Der Spielort, ein verlassenes altes Bürohaus am Kölner Rheinufer transportiert die Aura des Texts durchaus eigenwillig in unsere Breitengrade. Inka Neubert setzt in ihrer Inszenierung auf die poetische Kraft von Danis‘ Text, gibt ihr den Charakter einer Textinstallation.
Rolf Hemke, Theater der Zeit

Im Hintergrund der ansonsten kargen Spielfläche hängen, entsprechend der vier Protagonisten, vier Milchglasscheiben, die im Verlauf der Geschichte mit unterschiedlichem Licht ausgeleuchtet werden und damit die Abstraktion und Poesie des Textes unterstreichen. Ergänzt und gesteigert wird diese Architektur des Bühnenbildes von Alireza Varzandeh durch Marek Goldowskis Musik, deren Klanglandschaft die Atmosphäre zusätzlich verdichtet. Diesen optischen und akustischen Raum wissen die Schauspieler auf grandiose Art und Weise zu nutzen. Alles in allem ist dieser Theaterabend von einer Intensität und atmosphärischen Dichte, die seinesgleichen sucht.
Sibylle Heim auf www.theater.de